Zentralmoschee Köln
Die Zentralmoschee Köln
Die Zentralmoschee Köln ist weit mehr als ein religiöses Bauwerk. Sie steht für die Sichtbarkeit muslimischen Lebens in Köln, für architektonische Offenheit und für den Anspruch, Glauben, Begegnung, Bildung und gesellschaftlichen Austausch an einem Ort zusammenzuführen. Zugleich erzählt sie die Geschichte eines langen Weges: von einem provisorischen Hinterhofgebäude hin zu einem selbstbewussten, offenen und städtebaulich prägenden Gemeindezentrum.
Bereits seit der Gründung der DITIB im Jahr 1984 befand sich am heutigen Standort in Köln-Ehrenfeld ein religiöses und gemeinschaftliches Zentrum für viele Muslime. Die damalige Moschee war in einem alten Industriegebäude untergebracht und blieb über viele Jahre hinweg eine provisorische Lösung. Von außen war sie kaum als Gebetsstätte erkennbar, ihre baulichen Voraussetzungen waren begrenzt, und den religiösen, sozialen sowie kulturellen Anforderungen einer wachsenden Gemeinde konnte sie auf Dauer nicht mehr gerecht werden.
So entstand der Wunsch nach einem Neubau, der dem Gemeindeleben einen würdigen Rahmen gibt und zugleich als offener Ort in die Stadt hineinwirkt. An die Stelle des Provisoriums trat die Idee eines modernen Gemeindezentrums, das religiöse Funktionen mit gesellschaftlicher Offenheit, architektonischer Qualität und urbaner Präsenz verbindet.
Der Weg zum Neubau
Ein erster wichtiger politischer Schritt erfolgte 1996 mit dem Ratsbeschluss zum Bau einer repräsentativen Moschee in Köln. Auch wenn dieses Vorhaben zunächst nicht umgesetzt werden konnte, setzte es einen entscheidenden Impuls. Im Jahr 2001 trat die DITIB mit dem Anliegen an die Stadtverwaltung heran, eine Moschee aus eigenen Mitteln zu errichten. Damit begann die konkrete Planungsphase des späteren Neubaus.
Im Jahr 2005 wurde in Zusammenarbeit mit dem „Haus der Architektur“ ein halboffener Architektenwettbewerb durchgeführt, an dem sich 111 nationale und internationale Architekturbüros beteiligten. Aus diesem Verfahren ging der Entwurf von Gottfried und Paul Böhm als Sieger hervor. In den folgenden Jahren wurde dieser Entwurf gemeinsam mit der Bauherrin weiterentwickelt und konkretisiert. Öffentliche Vorstellungen des Projekts, die Gründung des Moscheebaubeirats sowie die planungsrechtlichen Schritte zur Änderung des Bebauungsplans begleiteten diese Phase. Im November 2008 wurde schließlich die Baugenehmigung für die Kölner Zentralmoschee mit Gemeindezentrum erteilt.
Abriss und Bauphase
Mit der Genehmigung begann die Umsetzung des Projekts. Anfang 2009 zog der DITIB-Bundesverband in die Subbelrather Straße um. Im März 2009 fand das letzte Freitagsgebet in der alten Moschee an der Venloer Straße statt. Anschließend wurde die Gemeindearbeit zunächst in einer Interimsmoschee fortgeführt.
Im April 2009 begannen die Abrissarbeiten des alten Gebäudekomplexes. Noch im selben Jahr wurde im November 2009 die Grundsteinlegung der neuen Zentralmoschee feierlich begangen. Im Februar 2011 folgte das Richtfest zur Fertigstellung des Rohbaus. In den folgenden Jahren wurde der Komplex Schritt für Schritt ausgebaut und in Betrieb genommen. 2014 konnten die Büroräume bezogen werden, 2015 lag die Nutzungsgenehmigung für den Konferenzsaal vor, und ab 2016 begann die Ausgestaltung der Innenräume. Mit der Öffnung des Gebetssaals und der Platzfläche im Juni 2017 sowie der Einkaufspassage im Oktober 2017 war der neue Gebäudekomplex in seiner prägenden Form vollendet.
Ein offener Komplex für Gemeinde und Stadtgesellschaft
Die Zentralmoschee Köln ist heute ein umfassendes Gemeindezentrum, das religiöse, soziale, kulturelle und organisatorische Funktionen miteinander verbindet. Sie bietet Raum für Gebet, Bildung, Begegnung, Austausch und Gemeindeleben. Damit ist sie nicht nur ein religiöser Ort, sondern zugleich ein sichtbarer und offener Teil des städtischen Lebens.
Zum Gebäudekomplex gehören neben den Gebetsräumen und den zugehörigen Waschräumen weitere zentrale Einrichtungen wie das DITIB-Center, eine Fachbibliothek, ein Ausstellungssaal, ein Konferenzsaal sowie Verwaltungsbereiche. Dadurch vereint das Gebäude sakrale, kulturelle und öffentliche Nutzungen in einer gemeinsamen architektonischen Struktur.
Das DITIB-Center ergänzt den Komplex um eine öffentlich zugängliche Passage mit Geschäften, Dienstleistungs- und Gastronomieangeboten. Der Konferenzsaal und die Ausstellungsbereiche eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für Veranstaltungen, Vorträge, Begegnungen und kulturelle Formate. Die Fachbibliothek unterstreicht den Bildungsanspruch des Hauses, während die Verwaltungsbereiche die organisatorische Arbeit des Gesamtzentrums tragen.
Die Platzfläche als Ort der Begegnung
Eine besondere Rolle kommt der Platzfläche vor dem Gebetsraum zu. Sie ist nicht nur Vorbereich der Moschee, sondern bewusst als offener Stadtraum angelegt. Über die großzügigen Freitreppen öffnet sich der Komplex zur Stadt hin und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich dem Gebäude schrittweise zu nähern. Die Platzfläche vermittelt zwischen der Lebendigkeit des städtischen Umfelds und der Ruhe des sakralen Innenraums.
So entsteht ein Übergangsraum, der Begegnung ermöglicht und Schwellenängste abbaut. Die Platzfläche ist damit nicht nur architektonisches Element, sondern Ausdruck eines Grundgedankens des gesamten Komplexes: Offenheit, Zugänglichkeit und das bewusste Zusammenspiel von Gemeindezentrum und Stadtgesellschaft.
Architektur und Gestaltung
Architektonisch wird die Zentralmoschee Köln von einer großen transparenten Kuppel und zwei schlanken Minaretten geprägt. Das Zusammenspiel von Beton, Glas und Holz verleiht dem Gebäude seine markante Formensprache. Die geschwungenen Betonschalen, die großzügigen Glasfronten und die weit geöffneten Freitreppen geben dem Bau eine moderne und zugleich einladende Ausstrahlung. In seiner äußeren und inneren Gestaltung verbindet der Komplex traditionelle Elemente islamischer Baukultur mit einer zeitgenössischen architektonischen Sprache.
Der architektonische Entwurf stammt von Gottfried und Paul Böhm, wobei insbesondere Paul Böhm als Architekt der Kölner Zentralmoschee hervorgehoben wird. Die Innenraumgestaltung wurde maßgeblich von Semih İrteş, Künstler der Innenraumgestaltung und Architekt, geprägt. Die kalligraphische Ausgestaltung des Gebetssaals stammt von Hüseyin Kutlu, Meister der Kalligraphiekunst und Islam-Gelehrter. Als Projekt-Beraterin und Architektin war außerdem Merih Aykaç an der Entstehung des Gesamtprojekts beteiligt.
Gerade im Innenraum zeigt sich die besondere gestalterische Qualität des Baus. Kalligraphische Elemente, geometrische Ornamente und die symbolisch ausgearbeitete Kuppel verbinden religiöse Bedeutung mit künstlerischem Anspruch. Der große Kronleuchter im Zentrum des Gebetsraums, die kalligraphischen Bänder sowie die aufwendig gestalteten Flächen verleihen dem Gebetssaal seine besondere spirituelle und ästhetische Wirkung. So wird der Innenraum zu einem Ort, an dem Architektur, Kunst und religiöse Symbolik in besonderer Weise zusammenfinden.
Funktionen des Gemeindezentrums
Die Zentralmoschee Köln ist nicht nur Gebetsstätte, sondern ein multifunktionales Zentrum. Der große Gebetssaal bildet das Herzstück des Komplexes. Daneben erfüllen weitere Räume wichtige Aufgaben für das religiöse, soziale und kulturelle Leben der Gemeinde. Die Waschräume dienen der Vorbereitung auf das Gebet, während Bibliothek, Konferenzsaal und Ausstellungsräume Orte des Lernens, der Begegnung und des Austauschs sind.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Öffnung nach außen ist auch das MoscheeForum. Es ist Plattform für Veranstaltungen, Dialogformate, Bildung und Besucherservice. Durch Führungen, Informationsangebote und öffentliche Veranstaltungen trägt das MoscheeForum wesentlich dazu bei, die Zentralmoschee Köln als Ort der Begegnung mit der Stadtgesellschaft zu verbinden. So wird die Moschee nicht nur als religiöses Zentrum, sondern auch als Raum des Austauschs, der Verständigung und der gesellschaftlichen Teilhabe wahrgenommen.
Technische Informationen
Die Zentralmoschee Köln ist als großmaßstäblicher Gebäudekomplex mit Moschee, Gemeindezentrum und ergänzenden Funktionsbereichen errichtet. Im Zentrum steht der große Gebetssaal, der für rund 1.100 Betende konzipiert ist. In einzelnen Darstellungen wird die Kapazität auch mit bis zu etwa 1.200 Plätzen angegeben. Der Gebetsbereich umfasst rund 2.000 Quadratmeter und bildet das räumliche und spirituelle Herzstück des gesamten Komplexes.
Architektonisch wird der Bau von seiner großen transparenten Kuppel und den beiden Minaretten geprägt. Die Kuppel erreicht eine Höhe von 36,5 Metern und wird von zwei filigranen, jeweils 55 Meter hohen Minaretten eingefasst. Für den Kuppelbereich wird zudem ein Durchmesser von rund 25 Metern angegeben. Im Inneren unterstreicht ein vergoldeter Kronleuchter mit einem Durchmesser von etwa 7 Metern die besondere Raumwirkung des Gebetssaals.
Auch in den Flächenangaben zeigt sich die Größe des Gesamtprojekts. Für den Gebäudekomplex werden rund 16.500 Quadratmeter Nutzfläche genannt. Je nach Berechnungsgrundlage wird darüber hinaus auch eine Bruttogrundfläche von über 20.000 Quadratmetern angegeben. Diese höheren Werte ergeben sich insbesondere daraus, dass zusätzlich technische, unterirdische und infrastrukturelle Bereiche berücksichtigt werden. In kürzeren Beschreibungen des engeren Moscheekomplexes ist außerdem von mehr als 8.000 Quadratmetern die Rede.
Ein sichtbares Zeichen der Beheimatung
Die Zentralmoschee Köln ist ein Bauwerk, das weit über seine Funktion als Gebetsstätte hinaus Bedeutung hat. Der Neubau dokumentiert den Weg von einem provisorischen Hinterhofgebäude hin zu einem selbstbewussten, sichtbaren und würdevollen Gemeindezentrum. Er steht für die gewachsene Präsenz muslimischen Lebens in Köln und zugleich für den Anspruch, Offenheit, Teilhabe und Begegnung inmitten der Stadt zu ermöglichen.
So verbindet die Zentralmoschee Köln Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Gebäude: verwurzelt in der Geschichte der Gemeinde, offen für die Gegenwart und ausgerichtet auf das Miteinander in einer pluralen Stadtgesellschaft.

